Über Raja/Ashtanga Yoga

Raja Yoga leitet sich ab aus dem Sanskritwort raja, „König“, und bedeutet königlicher Yoga. Die allgemein anerkannte Deutung des Namens besagt, dass derjenige, der seinen Geist zu kontrollieren vermag, ein wahrer Meister sei. Auch wird gesagt, dass der Raja Yoga alle anderen Yogawege überrage und deshalb als königliche Disziplin betrachtet werden könne.

Jeder weiß aus zumeist aus eigener Erfahrung, das ein gesunder ausgeglichener Körper, die Basis für einen beruhigten Geist darstellt. Denn wenn wir Schmerzen oder Leid empfinden, ist unser Geist getrübt und eingenommen. Die "Yogis" haben sogar noch eine höhere Zielsetzung als den Geist nur zu beruhigen, sie wollen ihn kontrollieren lernen und nahe zu zum Stillstand bringen.

Raja Yoga bedeutet nach Swatmarama Kontrolle der Gedankenwellen, etwas das ohne HaTha Yoga nicht möglich ist. HaTha Yoga sind ausgleichende Techniken, welche uns als Lebewesen dazu verhelfen durch Erkennen und optimieren des individuellen Lebenstaktes, sich mit der gesamten Umwelt im tatsächlichen Rythmus zu bewegen.

Dafür wurden mannigfaltige Techniken entwickelt und gelehrt, welche dieses Vorhaben ermöglichen. Die Arbeit am Körper-Geist-Duo erfolgt über die Stärkung, Flexibilisierung und Ausrichtung des Körpers. Dieses ermöglicht nach und nach eine exakte Kontrolle des Atems, der erforschter und belegter Weise direkten Einfluss auf das Nervensystem hat. Das Nervensystem steuert den Herzschlag, die Atmung, den Blutdruck und die Verdauung. Der Sympathikus erhöht die Körperfunktionen wie Herztätigkeit und Blutdruck, sorgt somit für "Aktivität". Der Parasympathikus steigert Ruhe, Entspannung und Regeneration. Ein ausgeglichenes Nervensystem ermöglicht die Kontrolle von "Prana" (der uns innewohnenden Energie) und dies führt wiederum zur Beherrschung des Geistes.

Swami Visnu Devananda schreibt in seinem Kommentar zu Swatmaramas "Hatha Yoga Pradipika":
"Um Prana zu kontrollieren, kontrolliert den physischen Atem. Auf diesem Weg kommt ihr vom physischen zum feinen Prana und dann sogar zu einer noch feineren Ebene- zu den Gedanken. Da sie im Zusammenhang stehen beeinflusst eins das andere."

Einer der bedeutensten Yogis Tirumalai Krishnamacarya, studierte mit seinen Schülern das System der Yoga Korunta ab den 1930 er Jahren. Dazu verwendete er eine Niederschrift von Vamana Rishi, die er 1927 in der Bibliothek von Kalkutta fand und ausgiebig studierte. Diese beinhaltet ein Körperarbeitssystem von vier Serien. Die erste "Yoga cikitsā" was übersetzt soviel wie "Yoga Therapie" bedeutet, regeneriert und stärkt die Physis sehr rasch und bereitet das Nervensystem gut vor um den Yogaweg zur Beruhigung zu gehen. Diese Körperarbeit wird zu ihrer vollen Wirksamkeit nach Empfehlung des Weisen Patanjali aus seinem Werk: "Yoga Sutra" mit Maßhaltung, Rezitation und Hingabe ausgeübt. Weiter ist die Berücksichtigung der sogenannten acht Stufen dazu elementar.

Die Acht Stufen des Yoga sind:

1. Yama (Sanskrit, m., यम yama, Enthaltung, Selbstkontrolle)

Ahimsa (Sanskrit, f., अहिंसा, ahiṃsā, wörtlich das Nicht-Verletzen): Schade keinem Wesen, das Recht auf Unversehrtheit
Satya (Sanskrit सत्य satya m, recht, wahr, tugendhaft): Lebe wahrhaftig
Asteya (Sanskrit: अस्तेय asteya n. Nichtstehlen): Nimm nur das was du benötigst ohne dabei von anderen zu stehlen
Brahmacharya (Sanskrit: ब्रह्मचर्य brahmacarya n. heiliges Studium): Übernehme sexuelle Verantwortung
Aparigraha (Sanskrit: अपरिग्रह aparigraha m Nicht anhaften): Lebe einfach und bescheiden

2. Niyama (Sanskrit, m., नियम, niyama, Verhaltensregel, Einschränkung)

Sauca (Sanskrit: शौच śauca n.Reinheit) Lebe sauber und sei reinlich
Santosha (Sanskrit: सन्तोष santoṣa u. Zufriedenheit) Übe dich im positiven Denken und in Zufriedenheit
Tapas (Sanskrit: तपस् tapas n. spirituelle Disziplin) Halte Maß und übe Beständigkeit
Svadhyaya (Sanskrit: स्वाध्याय svādhyāya m. Selbststudium) Entwickle dich weiter, Rezitiere
Ishvara Pranidhana (Sanskrit: ईश्वरप्रणिधान īśvarapraṇidhāna n. Hingabe) Lerne auch an das zu Glauben, was sich nicht mit den menschlichen Sinnen wahrnehmen lässt

3. Āsana - Schulung und Reinigung des Körpers mittels Yogastellungen
4. Prānāyāma - Atemkontrolle
5. Pratyāhāra - Zurückziehen der Sinne von der Außenwelt
6. Dhāraṇā - Konzentration auf nur einen Punkt
7. Dhyāna - Meditation, Kontemplation
8. Samādhi - Überbewusstsein, Einheitsbewusstsein

Populär sind diese Techniken durch den Zusammenschluss von Yoga Korunta und Yoga Sutra unter der internationalen Bezeichnung der acht Stufen "Ashtanga Yoga" (aṣṭāṅga: Ashta=acht, Anga=Glied) geworden. Der berühmteste und zugleich berüchtigtste Vertreter, war Krishnamacaryas Schüler, Pattabhi Jois. P. Jois machte ab 1990 dieses System im Westen populär und brachte es leider zudem in Verruf. Bis heute wird das System noch von Angehörigen der Jois-Familie unterrichtet, sowie von vielen gut ausgebildeten Yogalehrerinnen weltweit. Ashtanga Yoga zählt im Umfang, der Systematik und Ausgereiftheit zu den wichtigsten, aber auch anspruchsvollsten Systemen des Hatha Yoga.